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Drohnen aus Russland: Wie Staaten und Medien Ängste steuern

  • peterfreitageos
  • 12. Okt. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Nichts ist gefährlicher als eine Regierung, die das Vertrauen ihrer Bürger verloren hat, denn Zustimmung spielt erst dann keine Rolle mehr, wenn Furcht den Diskurs ersetzt. Panik kann man zwar nicht kaufen, aber sie lässt sich hervorragend vermarkten. Mediale Begleitmusik sorgt dafür, dass aus Lenkung wieder Zustimmung wird.


Tweets und Schlagzeilen deutscher Medien und Politiker zu Drohnenvorfällen, Sicherheitsdebatten und neuen Maßnahmen gegen Bedrohungen in Deutschland.

Die historische Spur der Täuschung: Wie Politik und Medien das Spiel mit der Angst betreiben

Die Geschichte liefert ausreichend Beispiele dafür, wie gesteuerte Panik nützlicher wird als jede Debatte:


Kuba

1962 entsteht in den USA mit Operation Northwoods ein Plan für Terrorakte unter falscher Flagge. Der Vorschlag beinhaltet den Tod amerikanischer Zivilisten, um eine Invasion Kubas begründen zu können. Kennedy widersteht dem Druck aus den obersten Rängen von Militär und Geheimdiensten und verweigert die Durchführung - ein Entschluss, der zahllose Menschen vor dem Tod bewahrte, ihn allerdings nicht.


Vietnam

Im August 1964 genügt ein angeblicher Angriff Nordvietnams auf US-Zerstörer im Golf von Tonkin, um im Verlauf der nächsten zehn Jahre insgesamt 2,7 Millionen US-Soldaten nach Südostasien zu schicken. Die Falschmeldung wird zur Grundlage militärischer Realität, die 58.220 US-Amerikaner und bis zu fünf Millionen Vietnamesen das Leben kostet. 80 Millionen Liter Entlaubungsmittel sollen den Dschungel zerstören und verstümmeln Generationen. Die Angst vor dem Vietcong verwandelt das südvietnamesische Dorf Mỹ Lai in einen Ort, an dem US-Soldaten 500 Kinder, Frauen und Alte als Bedrohung einstufen und massakrieren. Fast 400.000 Tonnen Napalm versengen weite Teile des Landes. Der Feuerregen verbrennt nicht nur Böden. Die Bilder verbrannter Kinder stehen bis heute für die Grausamkeit dieses Krieges, in dem man gegen einen Feind kämpfte, der im entscheidenden Moment gar nicht geschossen hatte.


Europa

Inzwischen steht Gladio für das, was europäische Politiker am liebsten vergessen möchten: staatlich organisierter Terror und gezielte Destabilisierung. Die Geheimarmee der NATO wird mit zahlreichen Terroranschlägen der 1970er und 1980er Jahre in Verbindung gebracht. Sie dient sowohl dem Antikommunismus als auch rechtsextremen Gruppierungen. Italienische, belgische, französische und deutsche Regierungen leugnen jahrelang, bis 1990 durch öffentlichen Druck die Existenz des Netzwerks und eines Waffenlagers in Österreich bestätigt werden. Einzelne Attentäter agieren als Doppelagenten zwischen Staat und Untergrund und steigen bis an die Spitze von Ministerien auf. Noch heute gibt es Hinweise auf aktive Netzwerke.


Deutschland

1978 braucht es in Niedersachsen nur eine Wand und ein Loch, um eine neue Ära der Überwachung einzuläuten. Der staatlich fingierte Befreiungsversuch für Sigurd Debus, der als RAF-Terrorist in der JVA Celle inhaftiert ist, liefert die Begründung für umfangreiche Überwachungsgesetze. Über Jahre wird der Vorfall als realer Terrorakt ausgelegt und gilt als eindrucksvoller Beweis anhaltender RAF-Gefahr. Der staatliche Ursprung der Operation Celler Loch wird erst durch Konflikte innerhalb des Verfassungsschutzes im Jahr 1986 publik.


Bis heute blieben zentrale Fragen ungeklärt, die Verantwortlichen mussten kaum Konsequenzen fürchten, auf eine vollständige Aufklärung wartet die Zivilgesellschaft bis heute. Der Fall gilt als Paradebeispiel für erfolgreiche politische Manipulation durch Inszenierung.


Wer den Krieg sucht, findet stets eine Anlass – oder konstruiert ihn selbst

Im Zuge des Unternehmens Tannenberg koordiniert die SS im Jahr 1939 eine Reihe raffinierter Scheinüberfälle. Zentrales Glied dieser Täuschungskette ist der inszenierte Angriff auf den Radiosender Gleiwitz, bei dem Mitglieder von Hitlers paramilitärischer Schutzstaffel in polnische Uniformen schlüpfen, um die eigene Bevölkerung und die internationale Öffentlichkeit auf Krieg einzustimmen. Noch im selben Jahr präsentiert sich die Sowjetunion als Opfer finnischer Kanonade. Ein gelungener Auftakt für einen Grenzkonflikt, dessen Einladungsschreiben man sich selbst zustellte. 1954 entdeckt Israel in Ägypten das Potenzial kultureller Sprengkraft: Agenten deponieren Bomben in amerikanischen und britischen Bibliotheken, Kinos und einer Schule, um diplomatisches Misstrauen zwischen Kairo und dem Westen zu säen.



Die aktuelle Spur der Täuschung: Drohnen über Europa

Für Drohnen am europäischen Himmel gibt es mehr potenzielle Absender, als der politische Wetterbericht vermeldet - doch die Schlagzeilen wählen meist die bequemste Richtung.


Mehrere Social-Media-Posts großer deutscher Medien und Politiker zu Drohnenangriffen, russischer Bedrohung und Sicherheitslage in Europa.

Russland könnte für Kontrolle, Aufrüstung und Ablenkung genutzt werden

Wenn im Land das Porzellan zerspringt und die Nerven flattern, hilft ein Blick über die Grenze, denn dort lässt sich ein Feind nach Maß anfertigen. Mit importierten Bedrohungsszenarien lösen sich Protest und Widerstand gegen unpopuläre Reformen fast wie von selbst auf. In diesem neuen Licht wirken das Ausschließen missliebiger Parteien aus dem politischen Wettbewerb, der staatliche Zugriff auf private Kommunikation oder die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit durch immer weiter gefasste Hassrede-Gesetze plötzlich unverzichtbar.


Schwarz-weiße Collage: Drohne über einer Europakarte, berühmte Wahrzeichen wie Eiffelturm, Kolosseum, Big Ben und Sagrada Família, Drohnenschatten auf der Karte.

Angst lässt sich nach Belieben portionieren, und wer sie im Kalten Krieg geprobt hat, der weiß sie nach 9/11 zu perfektionieren: Kriegsrhetorik wird schleichend normalisiert, Notstandsgesetze finden breitere Zustimmung, und die Rüstungsbudgets kennen nur noch eine Richtung. Es reicht, dass Unsicherheit suggeriert wird, damit Etats steigen und Werke expandieren. Minister und Wirtschaftsspitzen bilden dabei eine selten harmonische Koalition, die sich auf steigenden Bedarf an Munition verständigt. Der Gleichlauf von öffentlichem Interesse und privatem Gewinn gilt als unausgesprochener Konsens.



Zwischen Wahrheit und Inszenierung: Warum wir Unwahrheiten glauben

Es gewinnt nicht das Beweisbare, sondern das am besten erzählte Märchen, und schon wird das Wesentliche uninteressant: Greta Thunbergs „Drohnenangriff“ im Hafen von Sidi Bou Said in Tunesien erwies sich als eigenhändig inszenierte Pyrotechnik, die Linken bekämpfen gewaltbereit Positionen, die sie noch vor wenigen Jahren verteidigten, die AfD wird vorsorglich politisch exkommuniziert – angeblich zum Schutz der Demokratie -, in England übersteigt die Zahl der inhaftierten politisch unbequemen Social-Media-Nutzer inzwischen russische Maßstäbe, und quer durch Europa scheint ein Wettbewerb zu laufen, wer sein Land am überzeugendsten in den Staatsbankrott steuert.


Grafik zu Verhaftungen wegen Meinungsäußerung 2023: Russland 3.319, England 12.183, dazu gefesselte Hände im Hintergrund.

„Schreibe niemals der Bosheit etwas zu, was sich durch Dummheit hinreichend erklären lässt." [Hanlon's Razor ]

Mit jeder neuen Täuschung wächst unsere Bereitschaft, den Irrtum als Normalität zu akzeptieren. Wer wiederholt ins Vertraute flieht, schützt sich gegen die unangenehme Aussicht, sich jemals geirrt zu haben. Menschen sind Meister darin, narrative Lücken mit Erwartungsschaum zu stopfen, weshalb die Sehnsucht nach Einheit bei Bedarf fehlende Kapitel erfindet. Löchrige Fakten werden durch bequeme Illusionen aufgefüllt, bis selbst die wildesten Narrative tragfähig erscheinen. Man wird nie endgültig entscheiden können, ob sich an diesem Punkt tatsächlich Hanlon’s Law entfaltet oder als Inkompetenz getarnte Arglist das Geschehen lenkt. Es ist jedoch unbestreitbar, dass der Großteil der Mainstream-Medien Geschichten verbreitet, die weniger durch Recherche als durch die Fantasie ihrer Journalisten entstehen. Wenn zwischen Journalismus und politischem Aktivismus nicht mehr unterschieden wird, ist das Resultat ein Alltag, der den Ausnahmezustand nicht mehr hinterfragt.


Wer glaubt, Propaganda betreffe immer nur die anderen, bestätigt lediglich ihre Wirksamkeit. Am Ende bleibt die Annahme, man habe bereits durchschaut, was weiterhin im Verborgenen wirkt.



 
 
 

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