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Wenn Wahrheit gefährlich wird

  • peterfreitageos
  • 5. Juli 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Juli 2025

In Europa darf man sagen, was man denkt, solange man denkt, was man denken darf. Redefreiheit ist formell garantiert, aber faktisch strafbar geworden und wer aus dem moralischen Korridor abweicht, steht vor einem Problem, wie ein Veganer auf einer Grillparty: prinzipiell eingeladen, aber nicht erwünscht.



Wenn du sagst, was du siehst, aber es nicht sehen darfst, dann ist das kein Dialog, sondern Gaslighting im Staatsauftrag.


Was man White Shaming nennt, ist nicht bloß ein moralischer Reflex auf historische Schuld. Es ist das Betriebssystem eines neuen öffentlichen Moralismus, der mit universellen Werten nur noch rhetorisch verwandt ist. Man muss kein Soziologe sein, um zu erkennen, wie das Spiel funktioniert: Die Kategorien von Gut und Böse werden ethnisch aufgeladen. Weiß ist Schuld. Anders ist Schutz. Alles Weitere ist Gesinnungsprüfung.


Was früher Argument war, ist heute Verdacht. Wer Verteilungspolitik kritisiert, Gewaltstatistiken benennt oder Bildungsungleichheit anspricht, wird nicht gehört, oft gar diskreditiert. Von moralischer Entwicklung können wir schon lange nicht mehr sprechen, denn was hier passiert, ist Machtsicherung durch Deklassierung.


In Frankreich wird Marine Le Pen kriminalisiert, um sie als stärkste Präsidentschaftskandidatin auszuschalten. In Rumänien wird gewählt, bis das Ergebnis passt. In der Ukraine finden gar keine Wahlen statt. Deutschland steht vor einem Verbot der AfD. Natürlich alles im Namen der Demokratie.


Der eigentliche Skandal liegt aber in den einseitigen Ermittlungen und der mangelnden Berichterstattung darüber. Medien, mit wenigen Ausnahmen, hinterfragen und kritisieren nicht mehr. Statt zu berichten, bestätigen sie. Statt zu recherchieren, reproduzieren sie. Und sind so vom Gegengewicht der Regierungen zu deren Pressesprechern geworden.



Eine existenzielle Bedrohung heiligt jedes Mittel. Lüge inklusive.


In den USA versucht Jake Tapper, CNN-Reporter und moralischer Spätzünder, sich mit dem Buch Original Sin aus der Verantwortung zu schreiben, nachdem er jahrelang als CNN-Journalist angeblich nichts von Bidens Gesundheitszustand wusste, worüber unabhängige Stimmen aus der Netzöffentlichkeit längst berichteten. Diese Journalisten, ohne Zugang zum Weißen Haus, ohne Backstage-Pass zur Macht, aber mit funktionierendem Urteilsvermögen, wurden für ihre Berichte über Sleepy Joe, der offensichtlich nicht mehr Amtstauglich war, systematisch diffamiert und als Verschwörungstheoretiker, Rechte und Nazis beschimpft. Dass Tapper sich jetzt im Rückblick als Aufklärer inszeniert, wirkt wie ein später PR-Stunt.


Doch noch aufschlussreicher ist die Rechtfertigung der Demokraten, die Tapper wie folgt zitiert: „There was this existential threat of Donald Trump and only Joe Biden could beat Donald Trump. And that justified everything in their minds.“1 („Da war diese existenzielle Bedrohung durch Donald Trump. Und nur Joe Biden konnte ihn besiegen. Und das rechtfertigte in ihren Augen alles.“)


Wer gleichzeitig vor autoritären Tendenzen warnt und selbst einen Präsidenten im Amt lässt, der ohne Teleprompter nicht zurechnungsfähig wirkt, während das Volk mit Inszenierungen ruhiggestellt wird, betreibt politisches Theater auf höchstem Niveau. Was wir hier sehen, ist nichts anderes als die Umkehr der Demokratie, in der Regierungen dem Volk vorgeben, was Demokratie ist.



Wer nicht widersprechen darf, ist kein freier Mensch.


Jake Tapper, CNN, sagt heute: „I wish I had covered them much more.“ („Ich wünschte, ich hätte viel mehr über sie berichtet.“) Es bleibt die Hoffnung, dass auch in Europa der Impuls entsteht, das Versäumte aufzuarbeiten. Auch hierzulande ist Journalismus längst nicht mehr unabhängig, sondern geprägt von Haltung und Filter: Durch Weglassen. Durch Umdeuten. Durch Framing.


Europa ist dabei, sich durch Übermoral zu entpolitisieren. Wer nachdenkt, wird verdächtig. Wer sich wehrt, wird rechts genannt. Die politische Mitte, einst die reflexionsfähigste Schicht der Gesellschaft, hat gelernt zu schweigen. Dabei lebt Demokratie vom Gegenteil: von unaufgeregtem Dissens, von mündigen Bürgern, von Medien, die sich einer aufrichtigen, selbstkritischen Suche nach der Wahrheit verpflichtet fühlen. Und: vom Widerspruch.

Die Linke von heute ist davon abgerückt, ihre Haltung zu verteidigen, und exkommuniziert stattdessen Andersdenkende. Dabei merkt sie nicht, dass Europa dabei ist unterzugehen. Wenn Polizisten 1,20 groß sind, ist das gesunde Diversität2. Die Schule produziert Kompetenzen im Klassenrat, aber keine Menschen, die vollständige Sätze formulieren können3. Wenn Kampf gegen Altersarmut keinen politischen Ertrag bringt, wird sie zur Randnotiz4. Flüchtlinge in einem Hotel - das hingegen ist gelebte Menschlichkeit5. Was bleibt, ist das Gefühl, dass die Wirklichkeit keine Lobby mehr hat.


Wen wundert es, dass immer mehr Menschen Parteien wählen, die ihnen das Gefühl geben, wieder dazuzugehören. Die sagen: „Deine Herkunft ist kein Makel. Du musst dich nicht entschuldigen, weil du hier geboren wurdest.“ Diese Politiker und ihre Wähler sind keine Rassisten, nur weil sie Probleme benennen, die andere aus moralischem Kalkül verschweigen. Wer Widersprüche benennt, will nicht automatisch spalten. Und wer sich weigert, seine Herkunft zur Schuld zu erklären, verteidigt nicht nur sich selbst, sondern auch das Prinzip der Gleichwertigkeit.


Stellt sich also die Frage, in welchem Zustand unsere Demokratie ist. Und ob sie nicht längst in eine Simulation ihrer selbst überführt wurde: mit funktionierenden Wahlsystemen, aber kontrollierter Sprache. Mit Meinungsfreiheit, die sich im Rahmen bewegt. Mit einer Zivilgesellschaft, die jede Form von unbequemer Wirklichkeit als Störung behandelt.


Wir erleben eine Disziplinierung des Sagbaren. White Shaming, Einschränkung der Meinungsäußerung, mediale Homogenität sind Ausdruck einer politischen Hygiene, die alles entfernt, was stört. Besonders die Realität. Die eigentliche Gefahr für Europa ist deshalb nicht die Meinung des Einzelnen, sondern dass viele von uns glauben, bald zu ersticken.





Einschränkung der Redefreiheit


 
 
 

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