EZB: Wie der digitale Euro Macht neu verteilt
- peterfreitageos
- 2. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
2028: Ich kaufe Schokolade, die nicht für mich bestimmt ist. Meine Tante tätigt eine Buchung, die nicht für sie gedacht ist. Und der Wein, den ich trinke, läuft über das Konto meines Nachbarn, da mein digitales Limit bereits im Juni überschritten wurde.
So sehe ich das Leben mit dem digitalen Euro, der für mich nichts anderes als die höfliche Form der Entmündigung und ein Instrument totalitärer Kontrolle ist. Die EZB schafft sich damit ein Werkzeug der Selbsterhaltung und zementiert ihr Fortbestehen unter der Immunität gegen Kritik mit absolutem Machtmonopol. Dadurch wird die Zentralbank, was in Demokratien eigentlich verboten ist: unantastbar.

Das Ziel der EZB: Die Absicherung ihrer Relevanz
In abgeschirmten Räumen trifft die EZB Entscheidungen, die zum Preisverfall des Geldes führen, den Immobilienmarkt überhitzen und das Rentensystem destabilisieren. Zurecht steht kaum eine andere Institution derart in der Kritik. Dennoch verfestigt Europa mit dem digitalen Euro die Abhängigkeit von der Zentralbank, deren demokratische Kontrollinstanz bestenfalls symbolisch ist und deren Maßnahmen Millionen Leben schaden. Darin liegt die eigentliche Agenda, die sich erst zeigen wird, wenn das Bargeld verschwindet.
Warum eine private Blockchain und keine öffentliche?
Nicht zufällig setzt die EZB beim digitalen Euro auf eine zentralisierte Pseudoblockchain. „Blockchain“ klingt nach Innovation, Freiheit und Sicherheit - genau deshalb wird der Begriff gezielt eingesetzt. Technisch handelt es sich aber um ein digitales Register, das der EZB jederzeit vollständigen Zugriff erlaubt.
Im Unterschied zur Bitcoin-Blockchain, die unveränderbar und öffentlich ist, führt der digitale Euro Europa einen Schritt näher an den gläsernen Bürger. Es bringt zentrale Kontrolle mit eingebauter Lösch- und Anpassungsfunktion.

Die zentrale Blockchain dient keinem technischen Zweck, sondern strategischem Kalkül: Kontrolle, Lenkbarkeit, politische Absicherung. Die EZB erhält damit vollständige Transaktionshoheit über Zeitpunkt, Betrag und Empfänger. Dabei wäre auch eine dezentrale Lösung machbar. Doch genau das ist nicht gewollt - ein offenes System ließe sich nicht einfrieren, nicht rückverfolgen, nicht selektiv löschen.
Man braucht keine Diktatur, wenn man den Zahlungsstrom kontrolliert.
Europa diskutiert über Datenschutz, während es gleichzeitig ein System aufbaut, das jede Transaktion, jede Präferenz, jede Abweichung speichert.
2028: Du willst von Köln nach Hamburg. Die Buchung des Zugtickets scheitert, an der Tankstelle bleibt der Zapfhahn trocken: dein CO2-Konto ist nach dem Flug nach Barcelona erschöpft.
Digitaler Gehorsam ließe sich ganz einfach erzwingen, denn die zentralisierte Blockchain schafft eine Infrastruktur, die völlige Willkür ermöglicht. Wer staatliche Unterstützung bezieht, könnte auf vordefinierte Warenkörbe beschränkt werden - Schokolade und Alkohol ausgeschlossen. Politisch Unangepasste erleben Verzögerungen im Zahlungsverkehr, und plötzlich dauert die Überweisung 48 Tage statt 3 Sekunden. Eine Flugreise könnte unter ökologischen Aspekten nur noch alle fünf Jahre möglich sein.
Bitcoin ist ein Programmcode gegen Macht. Der digitale Euro ist ein Programmcode für Macht. Wer die Unterschiede nicht erkennt, hat die Zukunft des Geldes nicht verstanden.
Wer sagt, er habe nichts zu verbergen, hat die Frage nicht verstanden.
Die Zentralbank verspricht, der digitale Euro werde so anonym wie Bargeld. Wer das glaubt, hat vermutlich auch geglaubt, der Euro schütze die Kaufkraft und garantiere Preisstabilität.
Es geht nicht um das Recht, etwas zu verbergen, sondern um das Recht, nicht ständig überwacht zu werden und um die letzte Bastion individueller Autonomie: die freie Verfügung über das eigene Geld.
Ein Hack? Realistisch und katastrophal
Bei zentral verwalteten Systemen wie dem digitalen Euro kann ein einzelner Fehler flächendeckende Auswirkungen haben. Ein Hack ist keineswegs abwegig, und wer klug vorgeht, bedient sich so, dass es niemand bemerkt.
Zum Vergleich: Bitcoin wird weltweit von rund 15.000 unabhängigen Computern getragen. Um Bitcoin zu manipulieren, müssten mehr als die Hälfte dieser Rechner gleichzeitig kompromittiert werden. Ein solcher Angriff ist technisch hochkomplex und praktisch ausgeschlossen.
Wer hingegen Schlüsselzugang zur privaten „Blockchain“ der EZB hat, kontrolliert das System. Er kann Transaktionen erzeugen, löschen, rückdatieren. Guthaben verschieben, Konten einfrieren, löschen. Und niemand kann es nachweisen, denn nur die EZB hat Zugriff.
Weil keine unabhängige Prüfung möglich ist, liegt der Verdacht nahe: Wer Zugriff hat oder sich ihn verschafft, kann nach Belieben umschichten. Falschgeld braucht damit künftig keine Fälscherwerkstatt mehr und Geldwäsche keine Scheinfirmen, sondern lediglich einen Login.

Statt Macht zu begrenzen, vertraut Europa auf ein Versprechen
Der digitale Euro ist nicht die europäische Antwort auf Bitcoin, sondern das Bedürfnis, Kontrolle über Menschen auszuweiten. Warum setzt Europa also auf ein Versprechen, obwohl eine technische Absicherung möglich wäre?